Die Auswahl an Content-Management-Systemen (CMS) ist riesig. Sie reicht von einfachen Baukasten-Systemen bis zu skalierbaren Enterprise-Lösungen. Gibt es darunter CMS, die sich in besonderer Weise für B2B-Unternehmen eignen? Wenn man für professionell auf dem Markt agierende Unternehmen den Fokus auf Zuverlässigkeit, Leistung und Flexibilität legt, stößt man regelmäßig auf TYPO3. Warum das eine gute Wahl ist, besprechen wir im Interview.
Es gibt zahlreiche Content-Management-Systeme, alle haben ihre Vor- und Nachteile. Die Auswahl des passenden CMS hängt indes auch stark von den Anforderungen der geplanten Website ab. Denn: Nicht jedes CMS eignet sich gleichermaßen für jedes Projekt. Für B2B-Unternehmen beispielsweise gehören Flexibilität und Sicherheit ebenso zum Anforderungsprofil wie Mehrsprachigkeit, SEO-Tauglichkeit und eine intuitive Backend-Bedienung. Was das aus Sicht der Programmierung bedeutet und warum TYPO3 gerade im B2B eine gute Option darstellt, haben wir mit unseren Web-Experten Frank Krämer und Dustin Jeuck besprochen.
Hallo Dustin, hallo Frank. Wir wollen heute über CMS und deren Vor- und Nachteile sprechen. Ihr programmiert beide schon seit jeweils über 20 Jahren Websites und habt schon mit zahlreichen Systemen gearbeitet. Habt Ihr einen Favoriten?
FK und DJ (gemeinsam, lachend): Ja, ganz klar, TYPO3.
FK: Ich habe in meinen 20 Jahren als Programmierer viele Systeme getestet und genutzt. Aber ich muss sagen: TYPO3 hat mich nie im Stich gelassen. Für kleinere Projekte habe ich eine Zeit lang auch mit anderen Systemen gearbeitet, aber mittlerweile nutze ich fast nur noch TYPO3.
DJ: TYPO3 bietet aus technischer Sicht ganz viele Vorteile: Die Vielseitigkeit. Die Stabilität. Zudem sind eigentlich alle wichtige Core-Funktionalitäten wie zum Beispiel Mehrsprachigkeit, Multidomainfähigkeit oder SEO-Unterstützung schon vorhanden und müssen nicht hinzugekauft werden.

Dustin Jeuck
20 Jahre Erfahrung
über 300 Websites & Shops programmiert
Gut, dass du das Thema Funktionalität ansprichst. WordPress ist als CMS ja sehr beliebt und arbeitet ganz stark mit Plug-ins oder Extensions. Welche Vor- oder Nachteile hat das?
DJ: Zunächst ist WordPress im ursprünglichen Sinne ein Blog und gar kein CMS. Für komplexere Content-Strukturen mit Basis-Funktionen wie Mehrsprachigkeit, verschiedenen Inhaltstypen oder einer flexiblen Rechteverwaltung war WordPress nie ausgelegt. Man muss hier einen Blog mit entsprechenden Erweiterungen zu einem CMS hinbiegen. Das ist von der Architektur nicht mit einem Enterprise-System wie TYPO3 vergleichbar. Dafür braucht man aber für die Installation von WordPress auch so gut wie keine Programmierkenntnisse.
FK: Ja, bei TYPO3 sind eben Programmierkenntnisse zwingend erforderlich. Kleine Vereine oder Unternehmen in der Gründungsphase haben häufig nicht das Budget, um beispielsweise eine Agentur mit Programmierern zu beauftragen. Und die greifen daher auf Drag-and-Drop-Systeme und fertige Templates mit einem grundlegenden Design zurück. Was für deren Verwendung auch vollkommen in Ordnung ist. Aber als Unternehmen, das an seine Website einen professionellen Anspruch hat, sollte ich auf ein richtiges CMS-System zurückgreifen. So gibt es bei TYPO3 keine fertigen Templates und das Layout der Website wird individuell nach Kundenwunsch bzw. exakt auf Basis des Corporate Designs entwickelt und umgesetzt. Eben ein perfekt sitzender Maßanzug und nichts von der Stange. Genauso nutze ich für einen Webshop auch ein spezielles Shopsystem. Und gehe als professioneller Handwerksbetrieb nicht mit der Universal-Toolbox vom Discounter an den Start.
DJ: Der Nachteil, den WordPress für mich hat, sind insbesondere die endlosen Plug-ins und Extensions. Die erzeugen nach Fertigstellung in der Summe oft hohe monatliche oder jährliche Lizenzkosten. Zudem ist die Qualität der Plug-ins sehr unterschiedlich. Schließlich kann bei WordPress wirklich jeder ein Plug-in erstellen und anbieten – ohne wirklich Ahnung zu haben oder vielleicht sogar mit schlechten Absichten. Bei WordPress brauche ich häufig mindestens 20-30 Plug-ins, um eine vernünftige Seite mit allen notwendigen Standard-Funktionen sowie Sicherheitsstandards, Cookie-Banner und SEO-Themen aufzubauen.
“Man sollte Brücken bauen statt Mauern.”
- Dustin Jeuck
Ok, und bei TYPO3 benötige ich solche Erweiterungen nicht?
FK: Nicht in diesem Umfang. Die Core-Version bietet schon unheimlich viel: Mehrsprachigkeit, Multi-Domain-Fähigkeit, eine umfangreiche Rechteverwaltung. SEO-Pflege, Suchfunktion und Kontaktformular zu Beispiel.
DJ: Es gibt auch bei TYPO3 Plug-ins, die wir nutzen, weil sie manchmal besonders für Kunden das Handling angenehmer machen als dies bei einige TYPO3-Core-Themen der Fall ist. So zum Beispiel das Kontaktformular. Diese Plug-ins unterliegen aber klaren Qualitäts- und Sicherheitsanforderungen von Seiten der TYPO3-Community. Sie sind vernünftig programmiert und durchgetestet, bevor man sie installieren kann. Als Programmierer kann man sich hier den Code auch genau anschauen und sieht, was man sich ins System einbaut. Bei WordPress kann ich das z.B. nicht machen, da muss ich dem Programmierer des Plug-ins blind vertrauen.
Wie sieht es mit den Kosten aus? Bei WordPress gibt es eine Vielzahl an kostenfreien, aber auch an kostenpflichtigen Erweiterungen. Gibt es eine Empfehlung, was man wählen sollte?
FK: Es gibt keine Sicherheit, dass ein Plug-in sicher funktioniert, nur weil ich dafür bezahle. Insofern gibt es bei WordPress auch zahlreiche kostenlose Extensions, die problemlos funktionieren. Aber mittlerweile nutzen viele Anbieter solcher Plug-ins irgendwelche Abo-Modelle oder bieten kostenpflichtige Premium-Varianten.
DJ: Das stimmt. Bei TYPO3 kosten die Erweiterungen selten etwas. Aber auch bei TYPO3 gibt es kostenpflichtige Extensions. Das liegt sicher auch am Aufwand, diese Erweiterungen immer aktuell zu halten. Und ehrlicherweise muss oft mit einer neuen TYPO3-Version dann auch die Erweiterung angepasst werden.
Wie häufig kommt es den vor, dass es neue TYPO3 Versionen gibt?
DJ: Leider mittlerweile viel zu oft.
FK: Ja, das stimmt. Heutzutage hat man eigentlich bei keiner Software mehr wirklich Ruhe für die Ewigkeit. Man muss hier immer am Ball bleiben und regelmäßig updaten. Dazu muss man sagen: Normale Update zur Sicherheit, Stabilität und Schnelligkeit von Websites werden regelmäßig im Hintergrund durchgeführt und von uns auch zügig geupdatet. Neue Core-Versionen gibt es mittlerweile etwa alle eineinhalb Jahre. Hier bedarf es dann häufig schon eines zusätzlichen Programmieraufwands.
DJ: Je nachdem, was sich verändert hat, aktualisieren wir unsere Kundenwebsites aber nur auf jede zweite Version. Zumal auch nach Release einer neuen Core-Version für die Vorgängerversion noch für längere Zeit Sicherheitsupdates und Bug-Fixing bestehen. Man muss also nicht immer gleich updaten und hat weiterhin ein sicheres und leistungsfähiges System.

Frank Krämer
20 Jahre Erfahrung
über 300 Websites programmiert
Frank, du meintest eben, dass man für Updates auf neue TYPO3-Versionen Programmierkenntnisse benötigt. Bei WordPress drücke ich zum Updaten häufig nur einen Knopf. Auch von Kunden hören wir manchmal, dass TYPO3 doch eher kompliziert sei. Wieso bevorzugt ihr dennoch TYPO3?
FK: Grundsätzlich braucht man für eine TYPO3-Installation solide Programmierkenntnisse. Man muss sich auch erstmal intensiver in das System einarbeiten. Aber es bietet dann auch unzählige Möglichkeiten. Erstmalig eine TYPO3-Seite zu installieren und programmieren ist sicher nicht einfach. Aber wenn man sich auskennt, überwiegen eigentlich nur noch die Vorteile. Ich programmiere mittlerweile alle Seiten, selbst kleine Vereinsseiten, auf TYPO3. Ich habe ich mir dazu ein Basissetup angelegt, das hilft ungemein.
DJ: Zur Einschätzung, TYPO3 sei kompliziert: Für Kunden, also Mitarbeiter im Marketing oder Vertrieb, ist das Backend-System nur dann kompliziert, wenn der Programmierer seinen Job nicht richtig gemacht hat. Es stimmt, ein voller Admin-Zugang erschlägt zunächst jeden, der vorher noch nie mit TYPO3 gearbeitet hat. Aber genau dafür bietet TYPO3 ein umfangreiches Rechtemanagement. Hier kann ich als Programmierer genau festlegen, wer was sieht. Und richtig konfiguriert, sieht der Nutzer auch nur das, was er für seine tägliche Arbeit benötigt. So können zum Beispiel Personen aus verschiedenen Ländern nur die Seiten in ihrer Sprache angezeigt bekommen und auch nur darin Inhalte bearbeiten.
Ist das Backend-System für alle sprachlich einheitlich?
FK: Nein. Jeder User kann das Backend-System auf seine eigene Sprache einstellen. Wie gesagt, das Basispaket von TYPO3 bringt schon unheimlich viel mit und wir sind hier sehr flexibel.
Bleiben wir beim Thema Sprachen. Mehrsprachigkeit ist bei WordPress eher eine kleine Herausforderung, die man über mindestens ein zusätzliches Plug-In lösen muss. Ihr habt vorhin gesagt, dass TYPO3 das direkt mitbringt. Gibt es da dennoch Grenzen?
DJ: Praktisch nicht. Du kannst für das Frontend verschiedene Sprachen komplett frei anlegen. Das kann auch hebräisch oder arabisch sein, Sprachen die von rechts nach links gelesen werden und so weiter. Das ist überhaupt kein Thema. Das System kann zwar keine automatischen Übersetzungen anbieten, aber wir haben z.B. für einen Kunden individuell eine Integration von DeepL programmiert, um Inhalte automatisch zu übersetzen. Unsere Kollegen aus dem Textbereich werden jetzt zwar zucken, denn natürlich kann eine automatische Übersetzung nie die Qualität eines redaktionell erstellten fremdsprachlichen Contents erreichen. Aber das ist ein anderes Thema und unser Kunde ist sehr zufrieden damit.
FK: Auch das Thema „leichte Sprache“, das ja aktuell für Barrierefreie Websites immer wichtiger wird, ist in TYPO3 umsetzbar.
DJ: Im Allgemeinen kennt TYPO3 keine wirklichen Grenzen, wenn man sich aufs Programmieren versteht. Sowohl komplexe Seiten als auch technische Spielereien können wir alle im System programmieren. Hier muss man allerdings einschränken: Das ist für einen erfahrenen Entwickler möglich, aber für einen Content-Manager in Agenturen oder gar Endanwender eher nicht.
Letztendlich bin ich bei TYPO3 hängen geblieben, weil es mich bisher noch nie in Stich gelassen hat.
- Frank Krämer
Ok, kommen wir zu einem letzten Thema, der Sicherheit von CMS-Systemen. Ihr hattet schon mal angedeutet, dass die Extensions bei WordPress ein Sicherheitsrisiko für die Website darstellen können. Woran liegt das?
FK: WordPress hat einen weltweiten Marktanteil bei Websites mit CMS von 61,7 % (Statista, 2025). Das macht ein System schon aufgrund seiner Verbreitung zum idealen Ziel für Hacker. Ich sehe in unseren LogFiles häufig, wie Hacker versuchen, in unsere Systeme mit WordPress-Logins einzudringen.
DJ: Ganz ehrlich. Nicht selten kommen Neukunden zu uns, nachdem deren Seite gehackt wurde. Und in 95% der Fälle sind es dann WordPress-Seiten. Ich glaube in meinen 20 Jahren als Entwickler ist mir das noch nie bei einer TYPO3 Seite passiert. Natürlich auch, weil das System durch den deutlich geringeren Marktanteil auch viel unattraktiver für Cyberkriminelle ist.
FK: Exakt. Das größte Einfalltor bei WordPress sind übrigens die zahlreichen Extensions, die verwendet werden müssen, um aus diesem Blogsystem ein CMS zu machen. Wir hatten vorhin von durchschnittlich 20 bis 30 Plug-ins gesprochen. Das sind 20-30 zusätzliche Möglichkeiten, um in eine Website einzudringen und diese anzugreifen. So etwas gibt es bei einer TYPO3-Version nicht.
Habt Ihr abschließend noch einen Tipp für alle, die jetzt vor der Wahl stehen?
FK: Beraten lassen. Und durchaus mal kritisch hinterfragen, warum jemand welches System empfiehlt. Wir erklären das für uns transparent und ehrlich, schließlich kennen wir auch zahlreiche andere CMS aus eigener Erfahrung.
DJ: Ja, und einfach anschauen. Wir zeigen unseren potenziellen Kunden gern das Backend einer TYPO3-Installation und erklären auch, welche Vorteile es hat und wie einfach es zu bedienen ist. Umgekehrt erstellen wir auch weiterhin WordPress-Seiten, wenn ein Kunde das möchte. Nur ist uns dann wichtig, ihn darauf hinzuweisen, was es damit auf sich hat.
Vielen Dank für das interessante und aufschlussreiche Gespräch.
Die wichtigsten CMS auf einen Blick
TYPO3: Professionelles Enterprise-CMS; Open-Source, hohe Skalierbarkeit; sehr stabil; flexible Rechteverwaltung; ideal für mehrsprachige Webprojekte; intuitiv in der Nutzung; anspruchsvoller in der Installation.
WordPress: beliebt; weltweit meistgenutztes CMS; Open-Source; ursprünglich als Blog entwickelt; einfache Nutzung und Installation (auch ohne Programmierkenntnisse); große Plugin-Bibliothek; anfällig für Hackangriffe.
HubSpot: vereint CMS, CRM, Marketing und Sales in einer Plattform; proprietäre Lösung; stark auf Leadgenerierung und Marketingautomation ausgelegt; gute Reporting-Optionen
Drupal: sehr anpassungsfähig; Open-Source; gut bei hohen Sicherheitsanforderungen; viele Add-ons und Integrationen; hohe Skalierbarkeit, eher anspruchsvoll für Backend-User.
Contao: gut für mittlere Webprojekte; gute Performance und Stabilität; gut geeignet für mehrsprachige Webprojekte; flexibel durch Template-System und Modulbibliothek.
Wix: Baukastensystem; proprietäre Lösung; einfaches Erstellen per Drag & Drop und ohne Programmierkenntnisse; Cloud-Lösung inklusive Hosting; für kleine und schnelle Webprojekte.
